Es geht um die Sanierung und die Errichtung eines Neubaus für das Evangelisch-Stiftische Gymnasium. Je nach Ausbauvariante liegen die Kosten bei 46 Mio. Euro. Bildungsdezernent Matthes hatte sich gegen einen Wettbewerb ausgesprochen. Seine Begründung: Zu teuer, zu aufwändig, lohnt nicht. Nun folgt der Sinneswandel. Der Altbau bleibt dem Gymnasium erhalten, ein Neubau wird so nicht erforderlich und so erledigt man sich der Frage nach dem Wettbewerb. Entschieden werden soll am 8. Oktober.

Die nachfolgende Stellungnahme zum Wettbewerbsverzicht wurde am 14.9.2021 den Medien und Fraktionen in Gütersloh zugeschickt:

Stellungnahme des Forums Baukultur OWL e.V. zur Sanierung des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh

Zuerst die ehemalige Wurstfabrik Marten und nun der zweite Coup: Wieder einmal will die Stadt Gütersloh auf einen Wettbewerb verzichten. Sollen zuerst 1,3 Hektar innerstädtischer Fläche alleine nach dem Willen eines Investors bebaut werden (immerhin darf die Öffentlichkeit über den Entwurf mitreden) so steht diesmal eine öffentliche Investition von 45 Mio. Euro an. Und wieder heißt es, keine Zeit, zu aufwändig und außerdem zu kompliziert. Jetzt im Ernst? Eine Investition in dieser Größenordnung ohne einen Wettbewerb? Hat es nicht eine lange Planungskultur gegeben, in der noch viel kleinere Verfahren mit einem Wettbewerb vorbereitet wurden? Ist nicht das Wohnquartier an der Dalke immer wieder von Stadtplanern besucht worden? Das Ergebnis eines Wettbewerbes mit internationaler Beteiligung? Oder der Ersatzbau für die ehemalige Nordsee-Filiale: Ein kirchliches Grundstück, dass diese vorbildhaft mit einem Wettbewerb bebaut hat. 

Es ist nicht zu fassen. Wier soll eine Stadt Gütersloh gegenüber dem Investor des Marten-Geländes mit der Forderung eines Wettbewerbes gegenübertreten, wenn nicht einmal die eigenen Vorhaben einem solchen Qualitätsmaßstab unterliegen? Investor und Stadt tragen erschreckenderweise dasselbe vor: Zu lang, zu aufwändig, alles nicht im Sinne einer zügigen Realisierung. Eine abenteuerliche Allianz.

Was bei der Sanierung des Stiftischen Gymnasiums jetzt ansteht, ist der lieblose jeden bürgerschaftlichen Stolz mißachtende Ersatzbau. Ein Gebäude, das mehr als hundert Jahre stehen bleibt, wird einem vermeintlich pragmatischen Vorgehen geopfert, für einen im Vergleich winzigen Zeitgewinn.

B 90/Die Grünen haben richtigerweise einen Wettbewerb gefordert. Die Antwort der Verwaltung in der Vorlage hierzu ist höchst tendenziell. Was haben die besonderen Verhältnisse des Altbaus mit dem Wettbewerb zu tun? Hier werden zwei Dinge manipulativ vermischt und mit dieser unseriösen Mischung Stimmung gemacht.

Das Forum Baukultur hat das Verhalten der Stadt Gütersloh im Fall Marten als "Kniefall vor dem Investor" beurteilt. Jetzt ist die Schere bereits im Kopf, die Stadt Gütersloh als selbstbewußt planende Politik und Verwaltung opfert sich nun selbst. Ein trauriges Spiel in einer Stadt, die das eigentlich nichtverdient hat.

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