Das Informationszentrum am Johannisberg hat 2014 eine profane, womöglich genau deshalb recht beliebte, Würstchenbude am Johannisberg ersetzt. Kilian Teckemeier vom Büro Dudler illustrierte anlässlich der Ausstellung in der Kunsthalle am Gebäude, welch eine konstruktive Innovation, nämlich ein Gebäude aus Stampfbeton, sich das Büro Dudler ausgedacht hatte, um dem Anspruch an den Neubau gerecht zu werden: Ein Kulturdenkmal mit einem Landschaftsdenkmal, der Parklandschaft Johannisberg, in eine Beziehung zu setzen. Das Ergebnis, das Gebäude aus Stampfbeton, das mit seiner kubischen Gestalt und der farbigen Struktur der Wände die Umgebung aufgenommen und materialisiert hat, war für die Planer wie die ausführende Baufirma eine Herausforderung. Kilian Teckemeier: Wir haben zunächst lange und umfangreich zum Baumaterial recherchiert und eine Fachfirma gesucht. Die wiederum musste den Bau buchstäblich handwerklich ausführen. Der Begriff Stampfbeton ist wörtlich zu nehmen: Die Bauarbeiter entwarfen ein ganz spezielles schweres Werkzeug, mit dem der Beton Schicht um Schicht aufgetragen und per Hand festgestampft worden ist.

Der Johannisberg hat als Parkanlage eine Geschichte, die bis das Jahr 1870 zurückreicht: Vergnügungsstätte der Bielefelder Schützen, bürgerlich Pendant zur gegenüberliegenden landesherrlichen Sparrenburg, Lager für Zwangsarbeiterinnen und, so Landschaftsarchitekt Ehm Eike Ehrig, eine Gehölzsammlung, der man lange keine Beachtung schenkte. Mit dem Ergebnis, dass die Parkanlage nach langen Jahrzehnten so stark eingewachsen war, dass die Bielefelderinnen sie nur noch als bewaldeten Hügel wahrnehmen konnten. Seinen Auftrag, daraus wieder eine Parklandschaft zu gestalten, schilderte Ehrig eindrucksvoll. So wurden von den 1.000 Bäumen um die 400 entnommen, das Gelände wurde neu modelliert, eine Gedenkstätte und ein Denkmal für die Leiden der Zwangsarbeiterinnen eingefügt, insgesamt wurden 2,2 Mio. Euro investiert.Kein Kleinod, sondern ein Schmuckstück gestalteter Natur wenige Minuten entfernt vom Getriebe der Großstadt.

Mit einem kleinen Schönheitsfehler: Die ursprünglich durchgängige Allee vom vorderen zum hinteren Teil des Parks wird unterbrochen von Parkplätzen des Hotels. Dieses, so Ehrig, „Dilemma“ wäre planerisch und gestalterisch bei entsprechendem Kooperationswillen der Hotelbesitzer indes durchaus lösbar.

Ein weiterer Baustein der Parkerneuerung ist erst vor wenigen Jahren dazugekommen: Die von Bielefelder Rotary-Clubs gesponserte „Bürgerterasse“ mit Blick auf Pass und Sparrenburg.

Der freie Blick auf die nordwestliche Innenstadt ist allerdings inzwischen wieder verstellt: Mangelnde Pflege durch die Stadt Bielefeld hat das Gestrüpp am Nordhang inzwischen wieder zu einem Dickicht werden lassen.

Abgerundet wurde der Spaziergang dann am Besucherzentrum-Sparrenburg, dem Stampfbeton-Zwilling des Gebäudes am Johannisberg. Hier, im unmittelbaren Anschluss an das alte Burggebäude konnte Kilian Teckemeier noch eindrücklicher und beispielhafter erklären und zeigen, was der Architekt Max Dulder unter dem Motto „Geschichte weiterbauen“ versteht, dem Motto unter dem das Forum Baukultur OWL und die Kunsthalle Bielefeld seine Arbeit derzeit in der Kunsthalle präsentierten.

 

Peter Stuckhard
Fotos: Volker Crayen

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