„Der Neckar bahnt sich im engen Tal, vorbei an dem immer noch als Ruine verharrenden Schloss von Heidelberg, seinen Weg in die unendlich erscheinende Ebene des Rheins. Dort am Hang, wo die Bebauung endet und sich der Wald über die Hügel erstreckt, erhebt sich in stolzer Präsenz und mit einem spektakulären Panorama ein Neubau. Nach langer Bauzeit … stehen auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Bauherrn mit den Architekten und prüfen die vielfach an den Plänen diskutierten Proportionen der Säulen, die die Loggia im Obergeschoß formulieren.“

Nein, das ist kein Lore-Roman oder Rosamunde Pilcher, sondern die Beschreibung eines 2006 entstandenen Gebäudes auf der Website von Petra und Paul Kahlfeldt. Die vom selben Büro entworfenen Leuchten heißen konsequent Dahlem oder Grunewald – selbstredend nicht Wedding oder Marzahn. Und Türklinken im geneigten Empire-Stil werden gleich Klinkenpaar Petra und Paul Kahlfeldt benannt.

Vor diesem Hintergrund also soll Petra Kahlfeldt als neue Direktorin den gescheiterten Mietenspiegel richten, sich mit dem Volksentscheid zur Vergesellschaftung von Wohnungen auseinandersetzen und den irrlichternden Berliner Immobilienmarkt in den Griff kriegen. Kahlfeldt liegt ganz auf der Linie des ehemaligen Baudirektors Hans Stimmann, einem der wesentlichen Protagonisten Berlins auf dem Wege zum zügellosen Immobilienkapitalismus. So verkaufte 2006 die Stadt Berlin ein Haus an der Habersaathstraße (teuerste Wohngegend, der BND gleich gegenüber) für 2 Millionen Euro. Zehn Jahre später wurde das Gebäude erneut verkauft – für den zehnfachen Preis.

Zu erwarten war natürlich: Gleich nach der Benennung zur neuen Baudirektorin hagelte es Kritik von allen Seiten. Mehr als 600 Architektinnen und Architekten, Verbände und Initiativen hatten sich zu einem offenen Brief zusammengefunden. Sie drücken ihr Unverständnis für diese Personalentscheidung aus und fordern ein offenes und transparentes Besetzungsverfahren. Deutlicher kann man die Kritik an dieser Fehlbesetzung kaum fassen.

Es wird spannend werden zu verfolgen, wie sich diese Villen-Sozialisation mit der derben Berliner Realität verträgt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne? Hoffen wir nur, dass der Zauber nicht zum Albtraum wird.

Dr. Michael Zirbel

Link zum offenen Brief

https://archplus.net/de/offener-brief-zur-neubesetzung-des-senatsbaudirektors-der-senatsbaudirektorin

Link zu weiteren Zitaten aus dem Büro Petra und Paul Kahlfeldt:

https://www.kahlfeldt-architekten.de

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